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Die Yoga Sutra besteht aus 195 Versen, die in Sanskrit jahrhundertelang in mündlicher Form überliefert wurden. Es gibt viele Kommentare und Übersetzungen in schriftlicher Form, welche uns den Inhalt der Sutren oft sehr unterschiedlich vermitteln wollen. Patanjali ist nicht der Erfinder dessen was er schreibt, sondern er hat Yoga nutzbar gemacht. Er hat einen Zugang geschaffen indem er philosophisch fundiert bekannte Yogarichtungen und Erfahrungen in einem kurzen prägnanten Leitfaden (Skrt. Sutra) zusammengefasst hat. Diese Leitsätze, also die Sutren waren für die Schüler erst durch den Lehrer mitgegebenen Kommentar verständlich. Es gibt 4 Kapitel. In diese 4 Kapitel scheint ein in sich geschlossener Text eingeschoben zu sein. Dieser beginnt am Ende des zweiten Kapitels und endet am Anfang des 3. Kapitels. Dieser Einschub wird oft auch als die Essenz des Yogas betrachtet und zwar handelt es sich um die Blüte des Yoga, um den 8 gliedrigen Pfad (Skrt. Astanga Yoga). In Kapitel 1 geht es um samadhi pada, das heisst so viel wie Einung, Versenkung. Kapitel 2 erklärt die Ursache von Leid, Unbewußteheit und ihre Überwindung (sadhana pada). Kapitel 3 ist über die übernatürlichen Fähigkeiten (vibhuti pada). Kapitel 4 erörtert die vollkommene Loslösung: Das Ziel, vollkommene Freiheit (kailvalya pada). Kapitel 1 Hier definiert Patanjali was Yoga ist. Es geht um die Kontrolle der Bewegungen des Geistes. Geist wird in den Sutren als citta bezeichnet. Wahrnehmung, Erinnerung, Gedanken, Phantasien, Gefühle und Empfindungen spielen sich in unserem Geistfeld ab. Der Zustand des Geistes ist in seiner Beschaffenheit bzw. Qualität unterschiedlich so wie auch veränderlich. Der Geist kann klar, unruhig oder träge erlebt werden. Der Zustand des Geistes ist es, der uns die Dinge betrachten lässt. In einem Moment sind wir empfänglich für Worte die von Herzen kommen und spüren die Wohltag der Sonnenstrahlen, die unsere Haut berühren. In einem anderen Moment fühlen wir uns stumpf und sind weder empfänglich für Herzensworte noch für die Sonnenstrahlen. Die Abhängigkeit der Wirkungsweise ein und der gleichen Sache ist durch unseren Geisteszustand gesteuert. Das erste Kapitel beschreibt, welche unterschiedlichen Qualitäten unser Geist annehmen kann und wie diese Einfluss auf uns haben. Aber auch wie wir Einfluss auf unseren Geist nehmen können. Patanjali sagt es gibt 5 Aktivitäten in unserem Geist, die wichtig sind, damit wir uns in dieser Welt zurecht finden und ein Bild von uns selbst haben, dass uns unsere Persönlichkeit gibt. Diese 5 Aktivitäten sind genannt in Sutra 1.6. richtige Wahrnehmung (Erkenntnis), falsche Wahrnehmung (Irrtum), Vorstellung, tiefer traumloser Schlaf und die Erinnerung. Alle Aktivitäten können leidlos oder leidvoll sein, sie können den Menschen zum Glück führen aber auch zu Leid. Man darf sich nicht mit den Aktivitäten identifizieren, weil das den Geist an seiner Oberfläche bindet. Die Tiefe des Geistes liegt ausserhalb seiner Aktivitäten. Es geht somit um die Loslösung von den Aktivitäten durch Übungen. Z. B. Konzentration auf eine Sache, Wiederholung des OM Lauts, asanas werden von Patanjali im ersten Kapitel noch nicht benannt. Es geht um die Loslösung vom Alltagsbewusstsein, welches durch die Aktivitäten des Geistes gebildet wird. Des Weiteren handelt das Kapitel von Hindernissen und wie wir mit diesen umgehen können. Auch wird erörtert in welchen Schritten unser Geist Klarheit und Erkenntnisfähigkeit entwickelt. Kapitel 2 Das 2. Kapitel konzentriert sich auf die Analyse des praktischen Weges -sadhana pada. Es beginnt mit einer Definition von Kriya Yoga (Patanjali benutzt das Wort Kriya im Sinne von Yoga Praxis und nicht als Name einer Yogaschule). Diese Definition besagt, dass die Yoga Praxis aus Askese (Tapas), Studium (Selbststudium und heilige Schriften) und Hingabe an Gott (Gebete & Rituale) besteht. Die Übungen entstammten der spirituellen Praxis. Die yogische Ausrichtung der Übungen zielt bei den Tapas nicht auf die Abwendung von der Welt, sondern auf einen inneren Wandlungsprozess. Die Askese meint die Loslösung von der inneren Gebundenheit an die Welt z. B. dem Festhalten an Vergänglichem und die Hingabe an Gott zeigt sich in der Meditation, welche den Menschen in seinem so verändert, dass er das Göttliche erfahren kann. Patanjali sieht das Ziel in der Ausrichtung auf samadhi und in der Verringerung der klesas (Leiden). Gemeint ist die Ursache des Leidens. Patanjali zählt 5 auf: Ich-Sinn (asmita), Begierde/Zuneigung (raga), Hass/Abneigung -(dvesa) und am-Leben-hängen (abhinivesa). Diese vier klesas haben eine Ursache, die Ursache allen Leidens ist die Unbewusstheit (avidya). Durch avidya verwechselt der Mensch das Ewige mit dem Zeitlichen. Das Streben des Menschen nach Materiellem hier in der zeitlich begrenzten Welt als wenn hier schon die Ewigkeit ruht. Die Verwechslung und die Anhaftung an Vergänglichem schaffen Leiden, das Leiden bindet den Menschen an die Welt und er kann das Freiheitspotential in sich nicht erkennen. Klesas halten den Geist fest an der Oberfläche seiner Aktivitäten (siehe Kapitel 1), so kann er das Ewige, Reine und Glückliche nicht erfahren. Das 2. Kapitel sagt, dass durch das Auflösen der Klesas die Gebundenheit an das Alltagsbewusstsein vergeht. Durch Dhyana (Meditation) beginnt sich der Geist zu klären und die Klesas aufzulösen. Ein Weg der Umkehr (Skrt. Pratiprasava) von der Unwissenheit zur Bewusstsein. Im 2. Teil des Kapitels geht es um den 8 gliedrigen Pfad des Yoga. Diese 8 Aspekte umfassen alle Ebenen eines Menschen in seinem Prozess der Veränderung durch Yoga. Die ersten 5 Glieder werden im 2. Kapitel erläutert und die restlichen 3 im 3. Kapitel. Die 8 Glieder stehen exakt in der Mitte der Yoga Sutren. Sie werden auch ohne dies zu wissen oft Zentrum des klassischen Yogas genannt. Patanjali erklärt den Achtgliedrige Pfad: 1. Yama Äussere Regeln - Diese Regeln betreffen das Verhalten anderen gegenüber mit Übungen des allgemeinen Handelns: • Keine Gewalt - ahimsa • Wahrhaftigkeit / Aufrichtigkeit - satya • Nicht stehlen - asteya • Reiner Lebenswandel - brahmacarya • Nicht- Besitzergreifen - apariagraha 2. Niyama Innere Regel – Übungen des besonderen Handelns sich selbst gegenüber: • Reinheit – sauca • Innere Zufriedenheit – samtosa • Askese – tapas • Studium – svadhyaya • Hingabe an Gott – is varapranidhana 3. Asana Übung der Sitzhaltung 4. Pranayama Übung der Atemlenkung 5. Pratyahara Zurückziehen der Sinne Das ist eine Technik um den Geist von den Sinnen zurückzuziehen und sich nach innen auszurichten. Dabei geht es darum, daß der Geist nicht von den Eindrücken, welche die Sinnesorgane liefern abgelenkt wird. 6. Dharana Sammlung 7. Dhyana Loslassen 8. Samadhi Einung Aus diesem Kapitel haben mich die Niyamas magisch angezogen. Vor allem das der inneren Ruhe, das der Zufriedenheit samtosa berührt mich auf eine interessante Art und Weise. In der Hektik des Alltags und die immer währende Unzufriedenheit haben irgendwie in diesem Niyama einen Schlüssel hinterlegt, den ich noch nicht ganz greifen kann. Aber der Weg seine Haltung, die innere Einstellung so zu halten, dass so wie ich bin, gut bin. Schafft Ruhe und ein Stück mehr Zufriedenheit. Samtosa als Grundeinstellung alles so gut zu machen wie ich kann, aber auch den Anspruch an mich fallen zu lassen mehr tun zu müssen als ich kann. Wenn ich dieser Regel folge, dann lässt das Gefühl des getrieben seins nach. Wohl weiss ich, dass ich mich prüfen muss, ob ich aus Faulheit nicht mehr tue oder weil es einfach nicht in meinen Möglichkeiten steht. Kapitel 3 Das 3. Kapitel beginnt damit, dass Patanjali die letzten 3 Glieder des Yogapfades erklärt. Danach geht es um die Entwicklung des Geistes und das alles im Yoga dem Wandel unterliegt. Dann geht es um die Fähigkeiten, die ein Mensch erreichen kann, wenn er den Übungen der vorangegangenen Kapitel folgt, er erlangt einen Geisteszustand ohne Ablenkung und in völliger Ruhe. Viele der Sutren gelten der Möglichkeiten der Gestaltung der Meditation. Aus der Meditation lassen sich Erkenntnisse gewinnen, die von besonderer Tiefe sind. Aber eben diese neu erworbenen Kenntnisse oder auch außerordentliche Fähigkeiten können diese Übenden auf ihrem Weg ablenken, da sie dort wieder anhaften und von Unruhe begleitet werden, dann ist der Zustand des wahren Seins unerreichbar. Meditationserfahrungen sind langsam. Schritt für Schritt und wenn ich einmal der Meinung war das war schön, das war interessant, dann ertappe ich mich, das ich wieder Wünsche, Verlangen und Anhaftung aufbaue, weil ich das wieder haben möchte. Was daraus folgt ist, dass dann wieder eine ganze Weile gar nichts passiert, dass ich womöglich noch nicht mal 5 Minuten ruhig sitzen kann. Weil die Anhaftung und Erwartungen meinen Geist beschäftigen. Erst wenn ich das loslassen konnte, eine ganze Weile später, dann passierte etwas ganz anderes, aber nie wieder das was mir einmal so gut gefallen hatte. Kapitel 4 In diesem letzten Kapitel stellt Patanjali dar was es bedeutet über einen völlig klaren Geist zu verfügen. Der Mensch wird seinen Geist auch dann nicht beherrschen, aber er wird ihm dienen. Es geht noch einmal um Veränderungsprozesse in unserem Geist und dass sie auf unterschiedliche Weisen erreicht werden können. Wenn neue Fähigkeiten und Veränderungen es schaffen an die Oberfläche zu treten, dann waren diese schon vorher in den Tiefen des Bewusstseins vorhanden. Interessanter Weise werden dann auch noch das Verhältnis von Schüler und Lehrer diskutiert, da Lehrer oft einen grossen Einfluß auf die Schüler haben. Das Kapitel endet mit einer Beschreibung der Ziele des Yoga. Dieses Ziel ist die Freiheit, die in jedem von uns als Sehnsucht schlummert und Patanjali ist zuversichtlich, dass wir die Freiheit auch erreichen können. |








