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Stress in der heutigen Gesellschaft ein Phänomen. Wenn eine Krise in einer Partnerschaft vorliegt, dann hat man „Beziehungsstress“, fragt man jemanden wie es ihm geht antwortet dieser: „ich bin voll im Stress“. Wenn jemand nicht so funktioniert wie man es gerne hätte, dann macht er Stress. Das Wort Stress findet überall Verwendung. Ständige Angst vor dem Verlußt des Arbeitsplatzes oder Anstrengungen mit den Kindern oder die vielen sozialen Rollen, die jeder aufgrund der Gesellschaftsstruktur zu spielen hat.
Auch in Anbetracht der Tatsache, dass die Anforderungen an den einzelnen wachsen, nehmen Krankheiten wie Burn out, Überforderung, Schlaflosigkeit, Depression und Nervosität zu. Alle sind eine Folge von zuviel Stress. Mit zuviel Stress ist gemeint, dass eine gewisse Menge Stress für den Menschen von Nöten ist. Das ist der sich positiv auswirkende Eustress. Dieser beflügelt, steigert die Leistungsfähigkeit, verbessert die Konzentration und erzeugt Zufriedenheit.
Auch der Eustress versetzt den Körper in Alarm- oder sagen wir Reaktionsbereitschaft, aber er macht nicht krank wie der Dystress. Der Dystress hemmt die Kreativität und Tatkraft. Ausserdem führt er zu Überanstrengung und macht Menschen unzufrieden. Diese Art von Stress macht krank. Das Interessante daran ist, dass jeder selbst entscheidet, welche dieser beiden Arten von Stress bei ihm vorliegt. Manchmal erleben wir den Stress als Eustress und er beflügelt uns. Oder wir empfinden ihn als belastenden Dysstress, dem wir uns ausgeliefert fühlen.
Stress ist ein Zustand, der dem Menschen mitgegeben wurde, um ihn vor Gefahren zu schützen. Um diese Wirkung von Dauer zu erhalten bedarf es zur ständigen Anspannung (Stress) auch den Gegenspieler der Entspannung. Stress und Entspannung in Maßen, in Balance, damit sich der Mensch wohl fühlt.
Es ist zum grossen Teil die innere Einstellung, die entscheidet wie die Stressquelle empfunden wird. Es gibt Menschen die mögen kein Kindergeschrei somit werden diese Leute Streß bei Kindergeschrei empfinden im Gegensatz zu Eltern, die mit ihrem Sprössling quietschfidel umhertollen.
Verschiedene Personen, die aber dem gleichen Stressfaktor bzw. dem gleichen Stresspotential ausgesetzt werden reagieren sehr unterschiedlich. Aber auch Menschen die auf die gleiche Stressquelle mit Dystress reagiert haben reagieren am nächsten Tag oder auch nur eine Stunde später auf die gleiche Sache mit Gelassenheit.
Die Stressanfälligkeit ist abhängig davon, ob jemand im Einklang mit sich selbst lebt und zufrieden sein Leben lebt oder völlig zerstreut, überfordert und ohne Halt sein Leben lebt. Letzterer ist eher stressanfällig.
Eine Stressreaktion ist die Kampfbereitschaft des Körpers oder die Fluchtbereitschaft. Der Blutdruck steigt ebenso wie die Herzfrequenz und stellt somit Energien zur Verfügung. Steigert die Aufnahme- und Reaktionsfähigkeit des Organismus bei Gefahr.
Wenn früher der Säbelzahntiger plötzlich vor unseren Vorfahren auftauchte, dann gab es innerhalb dieser Alarmbereitschaft 2 Möglichkeiten: Flucht oder Kampf. Augen, Ohren und Sinnesorgane geben Informationen an das Gehirn weiter. Das Gehirn entschlüsselt die Informationen und sagt was zu tun ist und löst eine Kettenreaktion aus. Hormonell gesehen geschieht folgendes: ein Signal geht an die Hypophyse (Hirnanhangdrüse), die alle anderen Drüsen im Körper kontrolliert. Sobald hier die Information von Gefahr eintrifft werden dann die Nebennieren aktiviert und die Information an diese weitergeleitet. Die Drüsen der Nebennieren schütten die Stresshormone Kortisol und Adrenalin aus. Die Reaktionen auf Stress sind unseren Vorfahren angepasst und allein auf Gefässengstellung (möglichst wenig Blutverlusst) und Bereitstellung von Muskelkraft ausgerichtet. Wäre der menschliche Organismus an die Industriegesellschaft ausgerichtet, so müsste er bei Stress Endorphine ausschütten.
Die Wirkung der Stresshormone ist vielfältig. Adrenalin sorgt dafür, dass unser Herz zu rasen beginnt und viel mehr Blut pumpt. Daher erhalten die Muskeln energiereichen Nachschub an Versorgungen, um einen Kampf oder eine eventuelle Flucht zu bewerkstelligen. Das war lebenswichtig. Adrenalin sorgt auch für die Engstellung der Blutgefäße, um bei einer möglichen Verletzung möglichst wenig Blut zu verlieren, was auch lebenswichtig war. Adrenalin und Kortisol gemeinsam sorgen dafür dass die Thrombozyten also die Blutplättchen zur Verklumpung neigen, was ebenfalls nötig ist um vor hohem Blutverlusst zu schützen.
Adrenalin erweitert die Gefässe von Lunge und Atmungsorganen, um mehr Sauerstoff als Energielieferant für Muskeln und alle weiteren Körpervorgänge bereit zu stellen. Bei akuter Belastung ist es ebenfalls das Adrenalin, welches in der Leber die dort eingelagerten Stärkemoleküle in Traubenzucker umwandelt, der ein guter Energieträger ist.
Zusätzliche Energie wird für den Organismus herbeigeführt, indem Körpervorgänge z. B. die der Verdauung und den Speichelfluß vorübergehend eingestellt werden. Kortisol hat eine wichtige Wirkung auf die Nieren, die dann weniger Kochsalz ausscheiden. Kochsalz ist in der Lage Wasser zu binden und es zu speichern. So kann auch das Volumen des Blutes erhöht werden (Blutdrucksteigerung). Wie Adrenalin fördert auch Kortisol eine erhöhte Bereitstellung an Energien.
Wie oben beschrieben sind das Auswirkungen des Stress, die angepasst sind an die Zeiten unserer frühen Vorfahren. Zu Zeiten des Säbelzahntigers konnten diese im Überfluß hergestellten Energien auch wieder abgebaut werden durch Flucht oder Kampf.
Heute ist das nicht so der Stau auf der Autobahn wird immer länger und wir sind in ihm gefangen, keine Möglichkeit die körperlich bereitgestellte Energie abzubauen, z. B. in Form von einem Sprint oder Schrei. So bleibt der durch die Alarmbereitschaft des Körpers aufgeputschte Blutdruck unnötig lange erhöht.
Der Körper bleibt in Alarmbereitschaft trotz Fehlalarm. Der Magen ist voll und dennoch verarbeitet er nichts. Dadurch, dass die Energien nicht abgebaut werden, beginnt der Mensch krank zu werden.
Durchblutungsstörungen, erhöhter Cholesterinspiegel sind Folge der dauerhaften übermäßigen Anwesenheit der Stresshormone. Es gibt viele weitere Auswirkungen auf andere Organe z. B. Magengeschwüre, Allergien, aber auch auf die Psyche. Die unerwünschten Nebenwirkungen der Hormone sind belastend für den Körper. Ein Gegenspieler der Stresshormone ist das Melantonin. Auf der einen Seite regelt das Melantonin den Schlaf-Wachrhythmus im Menschen.
Adrenalin und Kortisol regen die Verklumpung der Blutplättchen an und Melantonin hemmt sie. Melantonin senkt die Blutfette, die Stresshormone steigern diese. Melantonin unterstützt die Abwehrkräfte des Immunsystems.
Adrenalin macht den Menschen wach und Melantonin müde.
Es gibt 2 Möglichkeiten mit dem Stress umzugehen. Entweder müssen die Auslöser beseitigt werden bzw. vermieden werden oder Stressfolgen müssen gelindert werden.
Auslöser von Stress müssen ausfindig gemacht werden. Das funktioniert gut mit der Selbstbeobachtung. Yoga kann durchaus wirksam sein in der Stressprävention aber auch in der Stressbewältigung.
Mit Hilfe der inneren Achtsamkeit, die Yoga vermittelt könne persönliche Stressquellen ausfindig gemacht werden. Zum Beispiel nervt der Hund des Nachbarn so heftig, dass sich der Nacken verspannt und Kopfschmerzen einsetzen. Dann ist es gut das erst einmal zu bemerken und wahr zu nehmen und auch wahr zu nehmen wie sich das äussert, in diesem Fall in Form von Kopfweh. Wenn dann die Wahrnehmung auch im Geist feiner wird durch vorangeschrittenes Üben, dann kann auch Einfluss auf seine innere Einstellung nehmen, so dass die Stressquelle neutralisiert wird, z. B. dass der Hund nur so laut bellt, weil sein Herrchen den ganzen Tag ausser Haus arbeitet und der Vierbeiner sich einsam fühlt. Vielleicht wandelt sich dann das Gefühl das Bellen als störenden Lärm zu empfinden hin zum Mitgefühl zu dem Tier und es erwächst vielleicht ein positiver Stress dem Tier zu helfen und mittags mit ihm eine Runde zu spazieren. Dazu müssen Gewohnheiten im Geist aufgespürt werden, um sie verändern zu können.
Wir können demnach Stress aktiv bewältigen. In dem wir Methoden erlernen z. B. die Entspannungssystematik, die uns wieder in Balance bringen.
Wir sind chronisch angespannt und durch die Entspannungssystematik lernen wir uns bewusst zu entspannen. Bewegung gegen Stress.
Wenn wir beispielsweise Kinder auf dem Spielplatz des Kindergartens Schulhof beobachten, dann sehen wir sie wild umhertoben. Sie folgen einfach ihrem inneren, natürlichen Bewegungsdrang, der aufgestaute Energien (Stress) abbaut. Dieser natürliche Bewegungstrieb ist vielen Erwachsenen verloren gegangen.
Bewegung z. B. durch Hatha Yoga verbindet wieder die Elemente von Körper, Atem und Geist und schafft Ausgeglichenheit in der An- so wie in der Entspannung.
Im Hatha Yoga gibt es in den Übungsabfolgen immer einen Ablauf von Anspannung und Entspannung unter Berücksichtigung des Atems. Das fördert die inner Achtsamkeit für seine eigenen Grenzen und fördert die Wahrnehmung wie es uns geht. Diese Achtsamkeit spiegelt sich nach ausreichender Übungspraxis im Alltag wieder, dass wir in der Lage sind Anspannungen aufzuspüren und loszulassen. Das uns auffällt, wenn wir kurzatmig werden, weil den Bus verpasst haben, der uns rechtzeitig zur Arbeit gebracht hätte. Nur wenn wir aktiv etwas tun, können wir dem Phänomen Stress in der heutigen Zeit begegnen ohne zu erkranken.
Entspannung lässt sich trainieren, dann können wir wenn wir Stress-Symptome bei uns beobachten aktiv werden und bewusst dadurch entstandene Anspannungen wieder lösen. Wir reagieren gelassener auf Stress-Situationen als vorher. Das psychische Befinden steht in direktem Zusammenhang mit dem Muskeltonus (Muskelspannung).
In Angstzuständen verzerrt sich das Gesicht, die Beine spannen sich an und der Mensch erstarrt womöglich völlig. Die darauf folgenden weichen Knie sind ein Zeichen von vorheriger intensiver Anspannung.
Wir wissen daraus: psychischer Stress spannt die Muskeln an.
Wenn man nun die Lösung von der anderen Seite angeht, dann entspannen wir die Muskeln und erhalten einen beruhigten Atem und eine beruhigte Psyche (Entspannungssystematik). Viele Menschen bemerken nicht, dass sie im Alltag einzelne oder mehrere Muskelpartien übermäßig anspannen.
Yoga ist da ein sehr guter Weg dem Abhilfe zu verschaffen, indem das Bewusstsein geschult wird, Entspannung gelernt wird, Anspannung so ausgeglichen werden kann und so sich mehr Gelassenheit in Körper und Geist einstellen kann, das die innere Grundeinstellung den Menschen weniger einengt und Stress vorbeugt. Stressprävention ist die beste Lösung, denn „erst krank zu werden und dann die Krankheit wieder los zu werden ist eine schmerzhafte Erfahrung und ausserdem eine Verschwendung von Zeit und Energie.“
Yoga ist die Wissenschaft vom eigenen Bemühen, vom Selbststudium und von der Selbstwahrnehmung als Schlüssel zur Stressprävention.
Quellennachweis
Balance, Dr. Ingeborg Cernaij
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