Was ist Yoga? PDF Drucken E-Mail


Als ich anfing mich mit dem Thema zu beschäftigen habe ich gedacht, welch einfache Aufgabe. Nichts leichter als das! Aber desto mehr ich mir Gedanken darüber machte wie ich meinen Vortrag gestalten sollte, umso schwerer fiels mir mein weniges Wissen zu bündeln und zu einem roten Faden zusammen zu fassen. Was ist Yoga? Was ist Yoga für mich? Für andere? Für die Welt? Für das Universum?
Einfacher schien mir die Frage: Was ist Yoga nicht?


Yoga ist nicht das Alltagsbewusstsein, der Stress und die Hektik. Yoga ist nicht der ignorante Umgang mit unseren menschlichen Ressourcen. Yoga ist nicht der Raubbau an unseren Körpern. Yoga ist nicht die geistige
Verwirrtheit, welche uns den Zugang zu unserem Selbst vernebelt.. Diese iste könnte ich noch elendig lang ausführen. Also nun was ist Yoga? Dann stieß ich auf einen Satz von Sri Aurobindo, der besagte: Alles Leben ist
Yoga! Das würde dann ja bedeuten, dass wenn uns bewusst wird was alles nicht Yoga ist, auch das Yoga ist. Das hat mich was dieses Thema: Was ist Yoga? Angeht sehr beruhigt.


Yoga ist ein Weg aus dem dumpfen Alltagsbewusstsein, welches uns sehr im Aussen sein lässt in die Erahnung bzw. sogar Erfahrung der ursprünglichen Bewusstheit. Yoga gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen unseres Lebens.Schon früh als junger Mensch habe ich meine Eltern gefragt was soll ich hier? Was ist der Sinn des Lebens? Meine Eltern waren ratlos, denn keine Ihrer Antworten konnten mich zufrieden stellen. Ich habe viel ausprobiert im Leben und habe die Extreme erforscht, die mich nur noch mehr in die Enge gebracht haben. Mein Vertrauen in das menschliche Sein drohte sich zu verlieren. Das Leiden wurde immer grösser. und wie vom Himmel geschicktKreuzte Yoga meinen Weg. Erst war es nur ein Buch, dann ein Volkshochschulkurs, dann eigenes Üben, dann langjähriger Unterricht bei einer beim BDY ausgebildeten Yogalehrerin, Fastenseminare und das reichte mir noch lange nicht. Ich habe erkannt, dass da noch mehr ist, aber ich
konnte es nicht greifen. Die Ausbildung zur Yogalehrerin am Himalaya Institut schien die Lösung zu sein. Ich studierte 4 Jahre die Menschenweißheitswissenschaften, bekam viele Anregungen und endlich einige erste ersehnte Antworten auf quälende Fragen. Erste durchschimmernde Erkenntnisse machten Sehnsucht auf mehr. Viele Rückschläge auf dem Weg des Übens und Lernens und des Verstehens. Was ich ziemlich schnell begriffen hatte, war das ich mir Wissen anlesen konnte so viel ich wollte, aber das das alles nichts nützt, wenn ich das Gelesene nicht in irgendeiner Form für mich erfahrbar machen kann.


Das ist für mich einer der wichtigsten Aspekte des Yoga: Erfahrungen zu machen. Meine Zeit auf Erden ist begrenzt. Ich habe für mich verstanden,dass es eine Ehre sein soll einen menschlichen Körper zu haben, um Erfahrungen machen zu können, die mir sonst verwehrt bleiben würden.


Yogatraditionen werden seit jeher durch Lehrer weitergegeben und so entschied auch ich mich anderen Menschen die Möglichkeiten zu zeigen wie Sie Erfahrungen machen können und begann mit dem unterrichten. Es ist eine grosse Freude mit Menschen zu arbeiten und nach Wegen zu suchen sie dort abzuholen wo sie sind. Was ich damit meine ist folgendes:

die meisten Menschen leben mit ihren Sinnen im Aussen und haben keinen Bezug zu ihrem Atem. Ich denke es ist wichtig zu wissen wie man die Menschen erreicht, so dass sie sich unvorbelastet einlassen auf die ersten Yogaerfahrungen.


Zum Beispiel wird jemand der zum ersten Mal an einer Hatha Yogastunde teilnimmt und nicht eine Yogaphilosophie kennt, wohl noch nicht mal ansatzweise eine Ahnung bekommen können wofür das alles gut ist. Am Ende eines ganzen Kurses wird er vielleicht sagen, dass sein Körper und Geist flexibler geworden sind und er Entspannung erfahren kann.

Auf der anderen Seite kann jemand sich intensivst Wissen anlesen, aber er wird immer am Fuße des Berges stehen bleiben. Am Bergfuß steht die Theorie, das lesen. Das ist die Basis, dann muss die Theorie zur Praxis werden, ein
Übungsweg hin zur Erfahrung der ursprünglichen Bewusstheit zum direkten Weg zu unserem Selbst. Die Antworten in dem Experiment zeigen uns, wo wir die Teilnehmer abholen können und auf welcher Entwicklungsebene sie stehen.

Es gibt viele Übungswege, die alle an das gleiche Ziel führen. Hatha Yogis
dürfen nicht vergessen, dass es auch noch andere Übungswege wie die
Meditation, Karma Yoga (Yoga des Handelns), Jnana Yoga (Yoga der Reflektion
und Bewusstseinsschulung) usw. Alle führen an das gleiche Ziel und jeder für
sich muss schauen welches der richtige Übungsweg für ihn ist. Dazu muss aber
erkannt werden, dass Yoga nicht nur Gymnastizierung des Körpers bedeutet,
sondern, dass Yoga ein Übungsweg ist, der durch viele Möglichkeiten gehbar
wird. Es gibt Yogameister, wie Mahatma Gandhi oder Sri Aurobindo, die kein
Hatha Yoga praktizieren. Andere wie Iyengar oder Desikachar haben Hatha Yoga
im Zentrum ihres Übungsweges. Und wieder andere wie Svami Rama und Svami
Sivananda haben Hatha Yoga in ihren Übungsweg integriert.
Das Experiment zeigt auch das sich bei den Teilnehmern mit wenig Yogapraxis
noch keine Erfahrung zeigt was den Rückzug der Sinne nach innen betrifft.
Yogaanfänger sagen vielleicht mein Bewusstsein für viele Dinge wächst, aber
oft meinen sie das zwitschern der Vögel oder wenn die Frau zu Hause eine
neue Haarfarbe trägt. Aber es sind Anfänge. Erste Bewegungen in dem starren
Gefüge der Gewohnheiten. Die Schulung des Bewusstseins vom Groben zum
Feinen, von aussen nach innen. Ähnlich wie in der Entspannungssystematik
erst mal ein Körperteil viel bewegen und wieder ruhig halten, dann ein wenig
bewegen und wieder ruhig halten, dann steigern und die Muskeln ganz fest
anspannen und wieder lockern, dann die Muskeln ein wenig anspannen und
langsam lockern, dann noch feiner werden z. B. nur noch an das Körperteil
denken bzw. das Bewusstsein dort hin lenken und loslassen. Oder eine weitere
Möglichkeit anzusetzen ist, zu untersuchen, ob ein Asana, welches Stabilität
und Balance fordert wie beispielsweise der Baum/tadasana folgende Schlüsse
zulässt: wenn die Haltung des Körpers(grob) sich als instabil erweist, ist
meist auch der Geist(fein) nicht stabil und in Balance.
Um diese Untersuchung zu machen muss man in der Lage sein seinen Geist zu
kontrollieren. Spannend im Experiment zu sehen, dass nur wenige Teilnehmer
den Geist konkret benennen. Es ist schwer einzusehen, dass wir nicht unser
Ego sind und unser Selbst oft unfähig ist Entscheigungen zu beeinflussen,
weil die Unbewusstheit und die Unwissenheit als Nährboden für unser Ego
bilden.

Das sind die 3 Aspekte des Yogaweges. Das Alltagsbewusstsein wird von
unserem Ego beherrscht und ist an unsere Sinne gebunden. In unserem
Alltagsbewusstsein sind unsere Sinne klar nach außen gerichtet. Immer sind
sie auf der Suche nach Anerkennung, Geld, usw. Hier ist der Ausgangspunkt
für den Yogaweg. Alles beginnt damit, dass ein Mensch sich selbst und der
Welt bewusst wird. Dadurch entsteht ein Grundleiden. Dieses Grundleiden
resultiert daraus, dass der Mensch vergänglich ist.

Der Mensch wie er sich in diesem Abschnitt des Yogaweges empfindet
unterliegt er der Zeit. Das Leiden resultiert daraus, dass der Mensch an
vergänglichen Dingen festhält. Dieses ist definitiv zum Scheitern
verurteilt. Schulden können genauso vergehen wie Reichtum. Freunde können zu
Feinden werden und umgekehrt. Jahreszeiten vergehen. genauso wie der
menschliche Körper. Ein Festhalten an diesen vergänglichen Dingen bringt
Leiden (klesa=Leidensfaktor). In der Tradition des Yoga ist bekannt, dass
das Alltagsbewusstsein verschiedene Mechanismen geschaffen hat, damit der
Mensch nicht nur leidet.

Zum Beispiel ist einer dieser Mechanismen die Verdrängung. Wir kennen
bestimmt alle Menschen, die Meister in der Verdrängung sind und so einen
Ausgleich zum Leiden schaffen. Wenn jemand verdrängt, dass er einmal die
Welt verlassen muss, so vermeidet er das Leiden an der eigenen
Vergänglichkeit. Ein weiterer Mechanismus ist das äussere Glück z.B. ist
damit die Anhäufung von Reichtum gemeint oder die Erfüllung von Begierden
(sexuelle Begierden oder andere Sinnesgelüste wie Essen). Auch Anerkennung
und Belohnung verschaffen dem Menschen im Alltagsbewusstsein Glück.
Auch Wohlstand macht Menschen äusserlich glücklich. Dieses Glück
stabilisiert jedoch nur das Alltagsbewusstsein, weil es Leiden ausgleicht.
Ein dritter Mechanismus ist der Glaube, dazu gehört zum Beispiel auch der
Glaube an die wahre Lehre des Yogas und an die Gesetze bzw Richtlinien des
Meisters. Der Glaube ist die Instanz in dem Paket der Mechanismen, welche
das Leiden ausgleichen sollen, welcher im der Welt der Vergänglichkeit
Richtung und Ziele aufzeigen kann. Diese Mechanismen sind sozusagen die
Aufgaben des Alltagsbewusstseins.
Das Alltagsbewusstsein funktioniert nur, wenn "es seine Hausaufgaben gemacht
hat" und den Menschen gebunden hat an Wohlstand, Glaube und die Befriedigung
der Begierden. Wenn das Leiden ausgeglichen werden kann durch die
Mechanismen des Alltagsbewusstseins (Verdrängung, Glaube an die Lehren,
äusseres Glück), dann entsteht Halt bzw. Gebundenheit und oft auch nicht
mehr der Ansporn oder die Notwendigkeit den Weg im Yoga weiter zu gehen.

Wenn das Alltagsbewusstsein ausgeglichen ist, dann kann dieser Zustand bis
zum Lebensende anhalten ohne dass eine geistige Weiterentwicklung bzw.
spirituelle Tiefe nötig ist. Dieser Mensch lebt in gebunden und in
Abhängigkeit an die Vergänglichkeit ohne, dass es ihn stört.
Der Strohhalm bleibt der Glaube an die Lehren. Vor allem wenn die
Sicherheiten des Alltags in Wanken geraten und die Waage aus dem Lot kommt.
Das Leiden überwiegt.

Jetzt lässt sich das Leiden an der Vergänglichkeit der Welt nicht mehr
verdrängen.
Dann erst wird der Leidensdruck gross genug, um uns auf den Weg des Yoga zu
machen. Siehe meine eigenen Erfahrungen in der Einleitung wie ich zum Yoga
gekommen bin. Der Leidensdruck äussert sich oft erst in psychischen
Beschwerden, wie Unruhe, mangelndes Ganzheitsgefühl usw., die aber vom
Menschen, der im Alltagsbewusstsein lebt oft übergangen. Dann folgen
körperliche Beschwerden wie Kopfweh, Verspannungen, Rückenschmerzen, usw.
Jeder von uns, die sich auf den Yogaweg begeben haben, haben ihre Intention
warum sie Yoga üben. Die Beweggründe sind individuell, aber doch resultieren
sie alle aus einem Leiden heraus, welches nicht mehr im Gleichgewicht steht
mit den Wirrungen des alltäglichen, vergänglichen Leben. Das
Alltagsbewusstsein gerät aus den Fugen und eine spirituelle Transformation
(moksa=Befreiung) kann einsetzen, durch die Befreiung und Loslösung von der
Vergänglichkeit der Welt. Der Geist wird gereinigt und das Selbst kann dann
wieder die Lenkung des Wagens (Körpers) übernehmen und das Ego als Konstrukt
des vernebelten Geistes abgelegt werden. (Gita Bildnis) Was folgt auf dem
Yogaweg ist das Erwachen.

Der Halt im Alltagsbewusstsein, die Gebundenheit an die Welt löst sich durch
die spirituelle Transformation auf. Es entsteht erst einmal Labilität, wenn
das Alltagsbewusstsein bröckelt.
Zudem wird einem erst Recht bewusst wie notwendig Verspannungen in Körper
und Psyche waren, da sie zusätzlich Stabilität gegeben haben.

Dies als kleiner Exkurs zum Thema: Was ist Yoga?


Quellenverweis:
Yoga Philosophie-Atlas von Eckard Wolz-Gottwald
Über Freiheit und Meditation Yoga Sutren Patanjali von Desikachar
Der Weg des Yoga - Handbuch für Übende und Lehrende (BDY)
Yoga Philosophie Karten von Eckard Wolz-Gottwald
Umgang mit der Upanishads von Distelbarth/Fuchs

 
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